Friedhelm Schneidewind

Interview an Halloween im inforadio Berlin-Brandenburg

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Interview, 31.10.2006, 13:07 Uhr

Halloween – ein Brauch aus Irland

Friedhelm Schneidewind, Fachmann für Mythologie und Autor, befragt von Stephan Ozsvath

Wie das Fest der Kelten nach Deutschland kam

Jedes Jahr in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November ist »Halloween« – die Nacht vor Allerheiligen. Viele Kürbisse sind zu sehen, in die Fratzen geschnitzt sind. Und der eine oder andere wird zum »Trick or Treat« – zu deutsch: Süßes oder Saures aufbrechen und an Türen um Süßigkeiten bitten – bzw. erpressen: Entweder es gibt Süßes, oder Streiche.
Seit 10 Jahren etwa erfreut sich Halloween großer Beliebtheit in Deutschland, rübergeschwappt ist der Trend aus den USA.

Frage: Was ist der Ursprung von Halloween?

Dazu: Friedhelm Schneidewind, Fachmann für Mythologie, im Gespräch mit Stephan Ozsváth.

Das Interview im Wortlaut:


Schneidewind: Dazu gibt es verschiedene Theorien: Wir können ganz eindeutig sagen, woher die Bräuche kommen, und der Ursprung in den letzten Jahrhunderten. Es ist aus den USA übergeschwappt. und dorthin ist es gebracht worden von irischen Einwanderern als Brauch, und die haben es dort dann verbreitet, es hat sich dann auch allgemein verbreitet. Es gibt die Theorie, dass es auf ein altes keltisches Fest zurückzuführen ist – das ist allerdings umstritten, weil wir wissen gar nicht so ganz genau, was die Kelten da gefeiert haben. Man vermutet, dass das auch erst später dazu erfunden worden ist.

Ozsvath: Worum geht es eigentlich bei diesem Mummenschanz? Was ist der ursprüngliche Inhalt?

Schneidewind: Wenn wir mal das irische Fest in den USA nehmen, dann ist es zunächst  mal Mummenschanz, um die alten Mythen und Bräuche wieder zu beleben. Bei der keltischen Tradition soll es darum gehen, dass in dieser Nacht, die die Wendenacht zwischen dem Herbst und dem Winter ist, die Türen geöffnet werden sollen zwischen der Anderswelt und unserer Welt, oder zumindest die Wände sehr dünn werden, so dass die Befürchtung bestand, dass Tote, dass Wesen aus der Anderswelt, Feen, aber auch Dämonen ’rüber kommen könnten. Und man hat sich im Prinzip verkleidet, um sich vor ihnen zu schützen und nicht erkennbar zu sein.

Ozsváth: Welche Rolle spielt denn der ausgehöhlte Kürbis?

Schneidewind: Der ausgehöhlte Kürbis geht auf eine alte irische Sage zurück von einem Herrn namens Jack O’Lantern, eine Legende um einen Säufer und Hurenbock, der dem Teufel begegnet und ihn tatsächlich bezwingt durch eine List. Er zwingt ihn, auf einen Baum zu gehen, und der Teufel kommt nicht runter, weil er in die Rinde ein Kreuz schnitzt. Und als der Teufel dann doch runterkommt, zwingt er Jack O’Lantern, den Rest seines Lebens in der Welt zu verbringen, weil er nach seinem Ableben dann weder in die Hölle noch in den Himmel kann. Jack hatte sich aus einem Kürbis eine Laterne gemacht, in der ein Stück Kohle drin war, um sich nicht zu verbrennen. Nach einer Legende rennt er jetzt mit dem Kürbis in der Hand durch die Gegend, nach einer anderen Version hat ihm der Teufel den Kürbis auf den Kopf gesetzt, so dass Jack als dämonischer Kürbiskopf mit leuchtenden Augen durch die Gegend laufen muss.

Ozsváth: Was hat es mit dem »Trick or Treat« – »Süßes oder Streiche« auf sich, dieses von Haus-zu-Haus-Ziehen auf sich?

Schneidewind: Es hängt wohl damit zusammen, dass es ursprünglich die Dämonen waren, die besänftigt werden mussten. Es gibt ja auch in anderen Kulturen und Gesellschaften so etwas. Das heißt, man hatte vor Dämonen Angst, stellte ihnen etwas vor die Tür, brachte ihnen regelrecht Opfer und später wurde das Ganze dann immer mehr zu einem Spiel. Man kann vermuten, dass es vielleicht dann irgendwelche Priester, Druiden oder dergleichen waren, die das umgesetzt haben, die die Form angenommen haben. Wenn man es nur auf den irischen Brauch bezieht und die Kelten mal außer Acht lässt, dann ist das Ganze zu einer Art Karneval im Herbst geworden. Vielleicht auch deshalb, weil es vor Allerheiligen liegt – quasi als letzten großen Scherz vor einem kirchlichen Feiertag zu veranstalten.

Ozsváth: Sie haben es angesprochen – kirchlicher Feiertag, die christlichen Kirchen sind nicht so richtig glücklich darüber, dass Halloween so populär geworden ist, wie erklären Sie sich das?

Schneidewind: Zunächst einmal glaube ich, dass zumindest die großen und konservativen Kirchen, ob katholisch oder evangelisch, prinzipiell nicht so davon angetan sind, wenn gefeiert wird. Die haben ja sogar teilweise Probleme damit, was aus der Fastenzeit und dem Karneval geworden ist. Dann ist es so, dass ja nur die katholische Kirche den Feiertag Allerheiligen kennt und der eine große Bedeutung für sie hatte. Ud durch Halloween verliert der Feiertag immer mehr an Bedeutung. Es ist ja auch schön, wenn man noch mal vor dieser dunklen Winterzeit ein Art zweiten Karneval hat, und Kirchen hätten in dieser Zeit gerne Besinnlichkeit.


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